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Auf
Strecke
von
und mit Uli Dajek
23.04.03,
11:30 Uhr, ich stehe aufgerödelt am Kreuzberg, etwa auf
halber Höhe zum Startplatz. Östlich über dem Bergrücken
Richtung Neustädter Haus steht eine kleine Wolke. Der Wind
kommt mit ca. 10km/h von vorne (NO), in einzelnen Ablösungen
bis 20km/h.
Beim
Hochlaufen sah es noch nicht so gut aus; schwachwindig aus Ost.
Und beim Frühstücken um 8:00 Uhr war es so diesig,
dass die Sonne es schwer hatte sich Durchblick zu verschaffen.
Für heute waren noch einzelne Schauer in feucht-labiler
aber zunehmend abtrocknenden Luftmassen angesagt. Morgen sollte
es dann richtig sonnig/gut werden.
Meine Freundin (Ulli mit 2 L) wollte heute nicht mitfliegen,
da sie stark erkältet ist. Also hatte ich meinen Soloschirm
gepackt, sie am Landeplatz zum Sonnenbaden zurückgelassen
und mich zu Fuß
an den Aufstieg gemacht (ca 240m Höhendifferenz). Falls
ich doch wegfliege solle sie warten bis ich sie auf dem Handy
anrufe, hatte ich ihr noch geraten – gerechnet hatte ich
zu dem Zeitpunkt maximal mit einem oder zwei kurzen Thermikflügen
am Startberg.
Von den Lokals war auch noch keiner zu sehen.
Jetzt,
mit Wind von vorne und spürbaren Ablösungen sieht es
schon viel besser aus. Ich benutze den Schirm bis zum Eingang der
Waldschneise als Steighilfe und probiere sogleich die nächste
Ablösung aus. Es
reicht zumindest zum Höhe halten und für 2 Suchschleifen
entlang der östlichen Waldkante bis ich dann wieder am Ausgangspunkt
toplande. Der zweite Hüpfer führt mich entlang der westlichen
Waldkante mit dem Ergebnis, dass ich den Schirm am Hang wieder
etwas als Steighilfe benutzen muss.
Beim
dritten Versuch fliege ich wieder gen Osten konsequent über
die Lichtungen Richtung Neustädter Haus mit mehr Steigen als
Sinken.
Über dem anschließenden Waldgelände geht nichts,
aber
über den Lichtungen kann ich allmählich Höhe machen.
Irgendwo dort finde ich auch Steigen mit etwa 1m/sec, das mich mit
Versatz (25-30kmh Wind in Gipfelhöhe) auf 1500m NN bringt.
Ein
kleines Stück weiter über der SO-Flanke des Kreuzberges
bringt mich dann eine fette Wolke bis an die Basis bei 2500m; 12:10
Uhr – wow, wer hätte das gedacht. Richtung SW stehen
fette, graue Wolken, im Osten sind nur einzelne Wölkchen zu
sehen. Also fliege ich schräg zum Wind Richtung Bad Kissingen
und von dort immer entlang der Wolkenschatten der feuchteren Luftmassen. Über
der Trimburg kann ich etwas Höhe tanken, die Parabolschüsseln
bei Hammelburg lasse ich rechts liegen. So richtig hoch geht’s
erstmal nicht, immer nur ein bisschen um nicht abzusaufen.
Die Vororte von Würzburg schenken mir dann doch soviel Warmluft,
dass ich mich direkt über die Stadt wagen kann (14:30 Uhr).
Hier komme ich endlich wieder über 2000m NN. Jetzt geht’s
richtig gut – nur ich kenne mich nicht mehr aus. Einen
Flugplatz, den ich hinter Würzburg sichte, umfliege ich
weiträumig Richtung W. Das war aber im Nachhinein nicht
nötig – ich war über dem kontrollierten Luftraum.
15:52 Uhr; nach einem langen Gleitflug finde ich mich in einem
Talabschnitt etwa 250m über Grund wieder –und keine
Wolke in Reichweite. In einem Nullschieber drifte ich zum nächsten
Ort und habe mir schon eine Landewiese am Ortsrand ausgesucht.
Hier ist etwas mehr als nur ein Nullschieber. Zwei Vögel
markieren mir dann auch das Steigzentrum und ich komme wieder
auf 1500m NN.
Zwei
Ortschaften weiter gelingt es mir dann über einem Wäldchen
wieder an die Basis zu gelangen, mit 2780m NN die Maximalhöhe
des Tages. Hiermit komme ich in Sichtweite zu einer O-W verlaufenden
Autobahn. Das muss die A6 sein. Und die Stadt dahinter dann Crailsheim–
Mensch bin ich weit geflogen. Von Crailsheim komme ich bestimmt gut
zurück.
17:00
Uhr; über Crailsheim geht es auf 2500m NN, also weiter. Danach
ein langer Gleitflug und quasi ewiges rumkrebsen auf ca 600m über
Grund. Hier in der Pampa möchte ich doch nicht landen. Endlich
finde ich wieder einen richtigen Bart, der ab 1200m richtig schön
und großflächig mit 5m/s nach oben zieht.
Im O sehe ich jetzt wieder die A7 und einen Tunnel, in dem die Autobahn
verschwindet, das kenne ich doch – Ellwangen!
17:50
Uhr; ich starte meinen letzten Gleitflug aus 2700m NN und fliege
leicht schräg zum Wind Richtung Autobahn und Ellwangener Berge.
Es sind nur noch Wolkenreste zu erkennen, die sich langsam auflösen.
Östlich von Aalen erreiche ich das Hochplateau mit immer noch
1400m
über Grund bzw.2000 m NN. Mir reichts, ich fliege jetzt quer
zum Wind zur Autobahnabfahrt und ignoriere sogar einige Thermikblubber.
Die
letzten 400m spirale ich dann noch gemächlich ab um bei 25er
Bodenwind sachte auf einer Wiese neben der Autobahnabfahrt um 18:18
Uhr zu landen. Zu allererst raffe ich den Schirm etwas zusammen.
Dann rufe ich meinen Bruder an, der heute aus Bayern nach Hause
(Fulda) fahren wollte. Ich erwische ihn auch gleich aber er ist
schon in Fulda. Ich frage ihn zuerst ob er mich abholt – dann
sage ich ihm wo!
Danke!
Selbst nachdem ich noch bis zum Crailsheimer Kreuz entgegen trampen
konnte, waren das auf der Straße noch 200km hin und 200km
zurück. Um 22 Uhr bin ich wieder in Fulda.
Am
Nachmittag war meine Freundin, nachdem sie 3 Stunden gewartet hatte,
dann doch zu meinen Eltern nach Fulda gefahren und hat sich große
Sorgen gemacht. Ich musste ihr abends versprechen, es möglich
zu machen beim fliegen ans Handy zu gehen. Allerdings wird das
nicht mehr erforderlich sein, wenn sie das nächste mal wieder
am Tandem mitfliegt.
Flugdaten:
Datum 23.04.2003
Start: Kreutzberg/Rhön, Startrichtung N-NO
Abflugzeit: 11:40 Uhr
Flugdauer: 6 Std 38 Minuten
Landung: Autobahnabfahrt Aalen/Oberkochen
Maximalhöhe 2780m NN
Maximales Steigen 7,5 m/s
Häufige Steigwerte bis 4 m/s
Freie Strecke nach OLC 184 km
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